(Nicht ganz) Zero Waste Verhütung – ein Loblied auf NFP!

Als ich im Juni beim „Zero Waste“-Vortrag von Bea Johnson in Münster saß und man bei der Zeit zum Fragenstellen angelangt war, kam von neben mir im Publikum die Frage auf, wie Bea das wohl mit der Verhütung mache. Die Frage tatsächlich zu stellen traute sich zunächst niemand – Verhütung ist wohl den meisten als doch recht privates Thema nahe gebracht worden. Trotzdem fragt man sich bei der Umstellung auf einen nachhaltigeren und gesünderen Lebensstil vermutlich irgendwann auch in diesem Bereich, welche Alternativen es gibt.

Verhütung – Zero Waste UND frei von Hormonen?!

Oft steht man bei seinen Entscheidungen ja zwischen den Stühlen – Müll vermeiden, aber gleichzeitig auch die richtige Wahl für seine eigene Gesundheit treffen, ist gerade beim Thema Verhütung erfahrungsgemäß ein Dilemma. Persönlich habe ich mich schon vor ein paar Jahren von der Pille verabschiedet – regelmäßig Hormone schlucken bei bekannten Nebenwirkungen wie erhöhter Thrombosegefahr sowie eventuell unbekannten Langzeitfolgen sprachen ebenso dagegen wie der steigende Hormongehalt in Wasser und Gewässern und der entstehende Müll. Zusätzlich hatte ich feststellen müssen, wie sehr die künstlich zugeführten Hormone meinem Körper zu schaffen gemacht haben. An einen einigermaßen regelmäßigen Zyklus und eine Haut ohne Akne war erst nach mehreren Jahren (!) zu denken. Schwören manche Zero Waste-Anhänger auf Lösungen wie die Hormonspirale oder -Spritze, ist hormonelle Verhütung für mich damit leider raus – so bequem es auch war. Doch welche Alternativen bleiben?

Kondome? Absolut nicht Zero Waste!

Zunächst die naheliegendste Lösung: das Kondom. Dieses hat ja auch durchaus seine Daseinsberechtigung, ist es doch das einzige Verhütungsmittel, das auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Da ich in einer festen Beziehung lebe, ist letzteres für mich jedoch kein Kriterium, das groß ins Gewicht fällt. Trotzdem: als Pillenverweigerin habe ich lange Zeit damit vorlieb genommen. Nicht gerade eine zufriedenstellende Lösung, fällt dadurch doch regelmäßig Müll an – ganz zu schweigen vom Nervfaktor. ;p

Nach ein wenig Recherche bin ich vor einiger Zeit auf eine Verhütungsmethode gestoßen, die zumindest etwas umweltfreundlicher, da müllsparender, ist, aber völlig auf Hormone oder ähnliches verzichtet: NFP.

NFP: nicht zero, aber immerhin less waste!

Gestatten, NFP, mit vollem Namen Natürliche Familienplanung – hilft übrigens auch super, wenn man plant, erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Familie zu haben. 😉 NFP ist eine natürliche Verhütungsmethode, für die man nur sich selbst und ein (möglichst genaues) Fieberthermometer benötigt. 


Wie funktioniert das? NFP funktioniert über eine möglichst genaue Zyklusbeobachtung. Das heißt: tägliches Temperaturmessen und Schleimbeobachtung. Für manche mag das nichts ein – Undiszipliniertheit ist hier fehl am Platze ebenso wie Ekel vor sich selbst (der ja eigentlich nicht nötig ist). Doch nach einer Eingewöhnungsphase geht einem der Ablauf ins Fleisch und Blut über und ist völlig normal. Mit Hilfe der Basaltemperatur (die Ruhetemperatur direkt nach dem Aufwachen) und der Konsistenz des Zervixschleims bestimmt man den Zeitpunkt seines Eisprungs und kann somit seine fruchtbare Zeit ziemlich genau vorhersagen.

Screenshot der App

Ich nutze diese Methode seit fast zwei Jahren und bin damit rundum zufrieden. Es ist vor allen Dingen toll, genau Bescheid zu wissen, was gerade mit einem passiert und ein Gefühl für die Abläufe im Körper zu bekommen. Umfangreiche Informationen dazu bekommt man auf der Seite mynfp.de, auf der man seine Zykluskurven auch gleich eintragen kann. Gleichzeitig gibt es dort auch eine tolle App, die ich auch dazu nutze. 

Wermutstropfen: fruchtbare Tage sind nicht Zero Waste (oder fordern Enthaltsamkeit)

Einen offensichtlichen Haken hat die Sache: zwar kann man in der unfruchtbaren Zeit auf jegliche Verhütung verzichten – meist über die Hälfte des Zyklus – doch bleiben da natürlich auch die fruchtbaren Tage. Will man diese nicht enthaltsam verbringen, muss man wohl oder übel auf das altbewährte Kondom zurückgreifen. Diese sind immerhin aus Naturkautschuk (angeblich sogar kompostierbar – hat das schon mal jemand versucht? :D), aber mit der Verpackung muss man sich wohl oder übel abfinden. Für uns ist die Kombination aus NFP und Kondomen vorerst die beste Lösung – vielleicht ist sie ja auch etwas für euch! Wie macht ihr das? Kommt  dieses Vorgehen für euch in Frage oder gewinnen aus mülltechnischen Gründen die hormonellen Verhütungsmittel?

5 Gedanken zu “(Nicht ganz) Zero Waste Verhütung – ein Loblied auf NFP!

  1. Ja, solche Themen bleiben in der Öffentlichkeit eher unangesprochen, deswegen versteckt man ja auch die Packung Kondome an der Kasse unter den Bananen 😀
    Ich habe in den letzten zwei Jahren versucht schwanger zu werden und bin es glücklicherweise auch endlich, das ganze weniger-Müll-Denken hat aber erst so vor einem Jahr Einzug in unseren Haushalt gefunden, deswegen musste ich mich noch nicht damit auseinander setzen 😉

    Aber langsam macht man sich Gedanken über die Zeit nach der Schwangerschaft und ich stimme dir völlig zu, was die Pille bzw. Hormone angeht! Ich habe ja vor zwei Jahren gesehen, was mit meinem Körper abgegangen ist, als ich das Zeug nicht mehr genommen habe! Hormone kommen für mich nicht mehr in Frage!
    Dann die Überlegung, ob es Kondome gibt, die nicht in Plastik/Alu verpackt sind. Nach langer Suche habe ich das aufgegeben. Es gibt viele, die vegan und nachhaltig und fair produziert werden, aber wenn sie produziert wurden, werden sie in ihre kleinen Müllverpackungen gesteckt… Und weiter bin ich mit meinen Überlegungen noch nicht gekommen.

    Deswegen bin ich immer froh, wenn sich andere Gedanken machen 😉 Und nur den halben Zyklus mit Kondomn zu verhüten, ist ja auch schon ein Fortschritt! Für mich ist das auf jeden Fall eine Alternative für nach der Schwangerschaft 🙂

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    • Hey!
      Das freut mich sehr, dass diese Alternative für dich auch in Frage kommt. 🙂 Ich bin jedenfalls sehr zufrieden damit! Und ja, ich denke, Kondome ohne das Plastikbriefchen drumherum gibt es einfach nicht… Mir fiele da aber auch nicht wirklich ein, wie der Hersteller das besser machen könnte, ohne eben mit Sicherheitseinbußen rechnen zu müssen und das kann man sich bei einem derartigen Produkt ja nicht erlauben. Bis da also jemand eine total kluge, durchschlagende Idee hat, bleibe ich beim fairen Gummi. 😉
      Glückwunsch zur Schwangerschaft – schön, dass es geklappt hat! 🙂 Ich vermute, das Warten hat dann vielleicht auch am post-Pille Hormonchaos gelegen? Davor hatte ich immer etwas Angst. Umso schöner, dass es bei dir letztendlich geklappt hat! Wann ist es denn soweit?
      Liebe Grüße!

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      • Ich glaube auch, dass die Pille da ihr Übriges getan hat… Und wenn du schon eine Weile ohne Pille lebst, wird das sicher auch nicht mehr so schlimm sein.
        Ich hoffe, es wird nicht Weihnachten 😀 aber die Chancen stehen gut. Und dann kommen die ganzen Baby-Müll Themen auf den Plan: Windeln, Feuchttücher, Cremes, Plastikspielzeug…

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      • Ui, ja, das wird spannend… So weit bin ich ja noch nicht, aber seine Gedanken macht man sich ja schon, wenn man sich mit Müllreduzieren beschäftigt und auch mal Kinder haben will… Hast du vor, deine Erfahrungen dann auch schriftlich zu teilen? Das interessiert mich nämlich auch! 😉

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